31.07.2017

SPD-Bildungspolitiker fordert Rechtsanspruch auf Ganztagsschule

Bild: Aigner Güll Kofler
Martin Güll und Dr. Bärbel Kofler nahmen in Bad Reichenhall Stellung zur Bildungspolitik
Die Herausforderungen an den Schulen in Bayern nehmen ständig zu aber die Schulpolitik im Freistaat wird dem nicht gerecht. Das behauptet Martin Güll und als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Kultus im bayerischen Landtag muss er es wissen. Der SPD-Landtagsabgeordnete aus Dachau wurde 1953 in Berchtesgaden geboren, wo er 1973 auch das Abitur ablegte. Bevor er 2008 für die SPD in den Landtag gewählt wurde, war er Schulleiter der Hauptschule Markt Indersdorf. Nach einem Tagesbesuch in seiner ehemaligen Heimatstadt Berchtesgaden kam er auch nach Bad Reichenhall zu einer Abendveranstaltung zum Thema Schulpolitik. Dabei skizzierte er, wie in den nächsten Jahren Bayern diesen Herausforderungen gerecht werden könnte.

Schon jetzt sind die Lehrer und Schulleiter enorm gefordert. Der steigende Bildungshaushalt spiegelt das wieder. 8 Milliarden war der Etat im Jahr 2008 und 12 Milliarden sind es in diesem Jahr. Die Entwicklung bei den Ganztagschulen, die Notwendigkeiten bei der Integration, bei der Inklusion von Kindern mit und ohne Handicap oder durch die zunehmende Heterogenität bei den Schülern lassen für Martin Güll erkennen, dass in der Bildungspolitik weitere Anstrengungen nötig sind. Und was der SPD-Politiker besonders vermisst, sind verlässliche Konzepte. Es wird mehr getan, so Martin Güll, einen Plan sieht er aber nicht. Beispiel Ganztagsangebote.

Der Bedarf an Ganztagsschulen steigt und wird weiter steigen. Das sei leicht vorherzusehen, wenn man sich die Entwicklung zur Ganztagesbetreuung an den Kitas und Kindergärten ansieht. Und Studien hätten gezeigt, dass ein guter Ganztag an den Schulen ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit ist. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses setzt auf vier Säulen: Rechtsanspruch, Kostenfreiheit, Verlässlichkeit in einer Kernzeit und Qualität. Leitbild aller Angebote muss eine hohe Qualität sein. Das versteht er unter einem echten Bildungsangebot, hinter dem ein pädagogisches Konzept steckt. Der Rechtsanspruch bezieht sich auf eine Kernzeit von 8-16 Uhr, und in den Grundschulen auch auf die Ferien. Diese Kernzeit muss für die Eltern kostenfrei sein. Eine bedarfsgerechte Betreuung etwa nach 16 Uhr und Ferienzeiten müssen von den Kommunen organisiert werden und könne auch den Eltern etwas kosten.

Natürlich verstehe er unter ganztags an den Schulen nur ein Angebot. Also, „ohne dass da jeder hin muss“. Aber, aufgeschlossen für eine solche flächendeckende und qualitative Ganztagschule als Angebot ist die CSU-Staatregierung im Ausschuss leider keineswegs, kritisiert der SPD-Politiker. Vor 10 Jahren war sie überhaupt noch dagegen und bis heute bleiben bei der CSU Zweifel an der Notwendigkeit. Und wohl auch der Kosten wegen.

Die Kosten sind es auch, weshalb die Schulleiter oft vergeblich Hilfe durch Schulpsychologen und Sozialpädagogen anfordern. Im BGL gibt es vereinzelt sogenannte JaS-Stellen.
JaS, das ist geförderte Jugendsozialarbeit an Schulen des Landkreises. Diese vereinzelte freiwillige Leistung des Kreises sollte präventiv im Einsatz sein um Kinder zu unterstützen, die in schwierigen Bedingungen aufwachsen, Verhaltensauffälligkeit oder erhöhte Gewaltbereitschaft zeigen. Die kommunale Jugendsozialarbeit wird im BGL an verschiedenen Schulstandorten jedoch nur an vereinzelten Tagen als freiwillige Leistung des Landkreises angeboten und die Schulleiter würden das zu geringe Angebot beklagen. Auch in der Diskussion wurde dies von Schulleitern bestätigt. Sie berichteten von Frust bei dem Modell, das nur tageweise Unterstützung bietet, da die Konflikte eben auch an den anderen Tagen zu klären sind.

Und schließlich sei da noch das große Thema Inklusion, so Martin Güll. Sie ist eine weitreichende Herausforderung, die zweifelsohne gesetzlich erwünscht und gesellschaftlich erforderlich ist. Dennoch ist die schulische Landschaft nicht darauf vorbereitet. Die Inklusion bedeutet, dass auch behinderten Kindern die nächstgelegene Schule Zugang gewähren muss. Das bedeutet Barrierefreiheit -baulich, aber auch z. B. sprachlich -durch eine Gebärdensprachenübersetzung. Die Schulen benötigen hier viel Unterstützung, die noch nicht vorhanden ist. Die Schulen wurden, so Güll, alleine gelassen. Susanne Aigner moderierte als stellvertretende Kreisvorsitzende die Gesprächsrunde und berichtete darüber: „Beim Thema Inklusion dürfen die Schulen und Tageseinrichtungen nicht alleine gelassen werden!“ Martin Güll unterstrich dabei die positiven Erfahrungen in Norwegen, dort ist das Thema Bildung und Inklusion weitaus fortschrittlicher.

Mit einem kleinen Dankeschön und vielen Aufträgen wurde der Landtagsabgeordnete dann von Susanne Aigner und Dr. Bärbel Kofler verabschiedet.



Dr. Bärbel Kofler, MdB Bildungspolitik 

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